Werkrealschule

Zum Bürgerbegehren „Gegen das Aus der Werkrealschule St. Johann“:

Nachdem die Unterschriften des Bürgerbegehrens überreicht sind, wird die Gemeindeverwaltung zunächst formal prüfen, ob das Begehren zulässig ist und das dann dem Gemeinderat zur Entscheidung vorlegen.

Dabei werden alle vorgeschriebenen rechtlichen Regelungen beachtet und befolgt.

Grundsätzlich begrüßen wir selbstverständlich dieses großartige, ehramtliche Engagement der Elternschaft und wir sehen, dass das Thema der Schulentwicklung die Bürgerinnen und Bürger sehr bewegt.

Deshalb an dieser Stelle ein paar Anmerkungen, um was es aus Sicht der Gemeindeverwaltung und der Mehrheit des Gemeinderates geht:

Grundschule oder Werkrealschule in St. Johann? Vor dieser Entscheidung stand der Gemeinderat. Und vor dieser Entscheidung stehen jetzt die Bürgerinnen und Bürger in St. Johann. Es ist keine leichte Entscheidung. Am besten wäre beides – Grundschule und Werkrealschule.

Was sind die Alternativen?

Alternative 1: Wir können die Werkrealschule beibehalten. Von ihrem wichtigen pädagogischen Angebot sind wir überzeugt. Darum haben wir uns immer für ihren Fortbestand eingesetzt. Aber wenn wir die Werkrealschule beibehalten, fehlen uns ab dem Schuljahr 2024/2025 die nötigen Räume für die Grundschule. Denn die Zahl der Grundschülerinnen und Grundschüler wächst. Wenn wir ihnen keine Räume anbieten, müssen sie in Nachbargemeinden fahren, um dort zur Schule zu gehen.

Alternative 2: Wir können die Grundschule so gestalten, dass alle Kinder genügend Platz in St. Johann haben. Ab diesem Schuljahr werden wir jedes Jahr eine dritte erste Klasse bekommen. Wenn wir in den nächsten Jahren diesen Kindern Räume schaffen, müssen sie für den Unterricht nicht in Nachbargemeinden fahren. Allerdings können wir dann die Werkrealschule nicht weiter betreiben, weil dafür die Räume fehlen.

Geht nicht beides – Grundschule und Werkrealschule?

Das wäre uns natürlich am liebsten. Und wir haben intensiv geprüft, ob sich das ermöglichen lässt – wieder und wieder. Das Ergebnis ist aber immer das gleiche: Wir können nicht die Grundschule für alle Kinder sichern und gleichzeitig die Werkrealschule beibehalten. Das hat mehrere Gründe:

  • 1. In den bestehenden Räumen lassen sich nicht beide Schulformen unterbringen. Wir kämpfen schon seit Jahren an der Schule mit beengten Raumkapazitäten. Fachräume müssen als Klassenzimmer belegt werden. Die Nachmittagsbetreuung muss auf verschiedene Räume verteilt werden. Und die Schulsozialarbeit ist wörtlich in einer Besenkammer untergebracht.
  • 2. Um beide Schulformen zu betreiben, müssten wir die bestehende Schule in einem ersten Schritt um sechs Klassenzimmer erweitern. Das kostet viel Geld. Geld, das wir nicht haben. Eine erste Kostenberechnung dafür betrug 2019 3,2 Mio. Euro. Im Frühjahr 2022 waren es bereits 4,2 Mio. Euro. Bei Fertigstellung 2024 müssen wir angesichts der derzeitigen Preisentwicklungen von mindestens 5 Mio. Euro ausgehen.
  • 3. Auch andere Lösungen sind nicht möglich – etwa das Aufstellen von Containern oder das Ausweichen in andere Räumlichkeiten. Wir haben sie ebenfalls aus Kostengründen oder wegen baurechtlicher Bedenken verworfen.

All dies haben die Verwaltung und der Gemeinderat abgewogen. Dazu gab es viele Gespräche mit der Schulleitung, der Lehrerschaft, den Elternbeiräten, Architekten, Vertretern des staatlichen Schulamts Tübingen, Landtags- und Bundestagsabgeordneten und vielen anderen. Am Ende stand der Gemeinderat vor einer schwierigen Frage:

Entscheiden wir uns für den Erhalt der Werkrealschule und schicken damit einen Teil unserer Grundschülerinnen und Grundschüler auf lange Schulwege? Oder schaffen wir die notwendigen Räume für die „Kleinen“ – unter anderem auch für die Ganztagsbetreuung und für die Schulsozialarbeit – und trennen uns dafür schweren Herzens von der Werkrealschule?

Diese Entscheidung ist niemandem im Gemeinderat leichtgefallen, und wir alle hätten sie gerne vermieden. Aber nach Abwägung aller Argumente hat sich die Mehrheit dieses Gremiums für eine sichere und gute Grundschule entschieden.

Nun stehen die Bürgerinnen und Bürger vor der gleichen Entscheidung: Sie bestimmen beim Bürgerentscheid, ob wir in St. Johann künftig eine Grundschule für alle haben werden, oder ob wir die Werkrealschule beibehalten, dann aber nicht alle Kinder in der Grundschule in St. Johann unterrichten können.